Ein Bohei um Alleinfuttermittel

28.09.2017 05:15

Futtermittelsorten: Zwischen Verordnungen, Kundenwünschen und Realität

 Alleinfuttermittel Einzelfuttermittel Ergänzungsfuttermittel - die Unterschiede

 

 

Alleinfuttermittel: Die Definition

Rein rechtlich soll diese Art von Futter in der Tat eine Rundum-Versorgung des Hundes garantieren. Laut der Futtermittelverordnung ist Alleinfutter dazu bestimmt, bei ausschließlicher Verwendung den täglichen Nahrungsbedarf des Hundes zu decken, also mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Per Definition also sollen die Komponenten und Rohstoffe im Alleinfutter so aufeinander abgestimmt sein, dass die Fütterung dieses Futtermittels allein völlig ausreichend ist. Zu einer Unterversorgung kann also im Grundsatz nicht kommen. Und da Alleinfutter per Gesetz den Nahrungsbedarf der Tiere decken muss, fühlen sich die meisten Hundehalter auf der sicheren Seite, eben dieses zu wählen.

Die Herausforderung um die Stoffgehalte

Das Hinzufügen der notwendigen Nährstoffe ist übrigens auch der einzig sichere Weg, um dem gesetzlich definierten Anspruch zu genügen. In der Natur variiert der Nährstoffgehalt schließlich sehr stark und müsste jedes Mal pro Dose oder Sack ermittelt werden. Und das ist nun völlig utopisch. Deswegen werden Alleinfuttermittel in der Regel mit Vitaminen und Mineralien angereichert. Das erkennt man an den in IE (Internationale Einheiten) bzw. in Mili- (mg) oder Mikrogramm (µg) angegebenen Vitaminen bei den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen. Problematisch wird es allerdings dann, wenn man nicht nur die in Laborbedingungen ermittelten Nährstoff-Werte betrachtet, sondern auch die künstlichen Zusätze und die Qualität der übrigen Zutaten unter die Lupe nimmt.

Alleinfuttermittel kann auch ungesund sein

Denn das magische Merkmal „Alleinfuttermittel“ sagt nichts über die Hochwertigkeit und Herkunft  der Zutaten aus. Auch im Alleinfuttermittel können eine ganze Reihe unerwünschter oder minderwertiger Zutaten enthalten sein: nicht näher definierte tierische sowie pflanzliche Nebenerzeugnisse und getrocknetes oder hydrolisiertes (künstlich aufgespaltenes) Protein, das ebenfalls aus minderwertigen Tierteilen wie Federn oder Hufen bestehen kann. Auch sind Zucker, Rübentrockenschnitzel (zuckerhaltiges Abfallprodukt aus der Zuckerherstellung), Palmöl, sowie Konservierungs-, Farb- und Aromastoffe nicht selten im Alleinfuttermittel zu finden. Das ach so erwünschte Prädikat „Alleinfuttermittel“ schützt also keinesfalls vor minderwertigen oder gar schädlichen Zutaten – es liefert lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen  Nährstoffe in Form von Vitaminen und Mineralien, die hinzugesetzt werden. Eine Discounter-Dose mit – um es zugespitzt zu formulieren – minderwertigem Fleisch aus der Massentierhaltung, pestizidverseuchtem Obst und Gemüse und gentechnisch modifiziertem Getreide als billiger Füllstoff mag theoretisch alle Vitamine, Spurenelemente und Mineralien beinhalten, doch gesund ist solches Futter ganz sicher nicht.

Was ist mit Einzelfutter und Ergänzungsfutter?

Einzelfuttermittel klingen einzelgängerisch, können aber auf Dauer nur in der Gruppe bestehen. Per Definition beinhalten sie nämlich eine einzige Komponente und stellen nur ein Element der Nahrung dar, beispielsweise Wildschweinmuskelfleisch oder Fischleckerli. Das ist weder besser noch schlechter als das Alleinfuttermittel, es ist einfach anders: Die Nahrung wird erst in Begleitung von einem Ergänzungsfutter oder aber in einer Mischung aus mehreren Einzelfuttermitteln ausgewogen.

Ergänzungsfuttermittel
wiederum sind laut der Futtermittelverordnung Mischfuttermittel, die aus mindestens zwei Zutaten bestehen und meist einen höheren Gehalt an bestimmten Stoffen, vor allem Mineralien oder Spurenelementen, aufweisen. Das kann also eine naturbelassene Dose mit zwei oder mehr Bestandteilen sein, der man keine Vitamine und Mineralien hinzugefügt hat, oder aber ein Pulverchen, das zur Ergänzung des Speiseplans dient. Im Unterschied zu Alleinfuttermittel reicht Ergänzungsfuttermittel per Definition nicht aus, über einen längeren Zeitraum eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen zu gewährleisten. Es dient, wie der Name schon sagt, lediglich der Ergänzung des Speiseplans.

Realität versus Recht

Das Zauberwort in der Hundeernährung soll allerdings nicht Alleinfutter, sondern Abwechslung heißen. Nicht eine bestimmte Dose, sondern die Dauer einer eintönigen Fütterung entscheidet darüber, ob es zu Mangelerscheinung kommt – genau so, wie in der Natur und genau so, wie bei der menschlichen Ernährung auch. Unsere Ernährung basiert ebenfalls auf dem Wechsel von verschiedenen Nahrungsquellen. Wir fragen uns auch nicht bei jeder Pizza, ob sie uns mit allen Nährstoffen versorgt. Und wir würden uns genauso ungerne von nur einem einzigen Gericht ernähren, selbst wenn es perfekt zusammengestellt ist und uns alles liefert, was der Körper braucht. Viel mehr als auf Gesetz mit seinem vorgeschriebenen Mindestgehalt an Nährstoffen soll man – auch beim Hund – auf den Genuss setzen. Schwein pur ist äußerst lecker, naturbelassen und gut bekömmlich. Doch was spricht gegen etwas Obst und Gemüse, das die fleischige Mahlzeit ergänzt? Reh- und Hirsch mit Kartoffeln sind optimal ausgewogen, aber manchmal kann es auch eben nur ein Rehunterbein zum Frühstück sein. Trockenfutter eignet sich sehr wohl als Erziehungsleckerli im Training und frische oder getrocknete Kräuter bringen eine zusätzliche Portion Vitamine in jeden Napf. Ähnlich wie hochwertige Öle, die – gelegentlich hinzugefügt – dem Hundekörper neue Impulse und wertvolle Nährstoffe bringen.

Fazit über Allein-, Einzel- und Ergänzungsfuttermittel:

Die Palette der kulinarischen Experimente ist unerschöpflich und darf ruhig von gastronomischen Präferenzen des Hundes und seinen eventuellen Allergien diktiert werden, nicht aber von Rechtsverordnungen und Tabellen. Viel wichtiger als die (vermeintlich) tägliche Versorgung des Hundes mit allen Vitaminen und Mineralien aus einer und dergleichen Packung ist eine vollwertige und abwechslungsreiche Ernährung. Weder penetrante TV-Werbung noch medienwirksame Floskeln auf der Verpackung sollen die Kaufentscheidung der Hundehalter beeinflussen. Der gesunde Menschenverstand ist – auch in der Küche – immer noch der beste Begleiter.

PDF: Futtermittelverordnung


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